Mehrfach-Identitäten in einer diversen Solidargemeinschaft

Deutschland hat den Übergang zur Einwanderungsgesellschaft in weiten Teilen verbal vollzogen und doch erscheint es noch als ein langer Weg, diesen auch tatsächlich zu leben: Eine scheinbar unübersichtliche Vielfalt an Lebensentwürfen, deren kulturelle Identität nicht auf dem Entweder-Oder-Prinzip beruht, sondern sich im Zusammenspiel unterschiedlicher Wertvorstellungen und kultureller Prägungen findet. Klare ethnische Zuordnungen werden immer schwieriger, Mehrdeutigkeiten und Mehrfach-Identitäten immer wichtiger. Die „Mehrheitsgesellschaft ohne Mehrheiten“ muss sich neu erfinden, Diversität vorwärtsgerichtet diskutiert und Zukunftsmodelle eines „Zusammenhalts von Verschiedenen“ entwickelt werden. Wie finden wir zu einem Gemeinwesen, das Vielfalt in all ihrer Widersprüchlichkeit und Konfliktträchtigkeit anerkennt und Teilhabe, Chancengleichheit und Solidargemeinschaft – nicht nur als Worthülsen – für alle Mitglieder ermöglicht? Was ist die gemeinsame Basis für ein solidarisches Miteinander in einem Land, das vielleicht bald nur noch aus „Minderheiten“ besteht? Welchen Beitrag kann Kunst und Kultur in diesem Prozess leisten? Und nicht zuletzt: Wie verträgt sich die jeweilige Pflege von „kulturellem Erbe“ und die Sehnsucht nach „Heimat“ mit dem Kreieren neuer transkultureller Lebensentwürfe und Ausdrucksformen?